16.3   Lebende Pflanzen
Charakteristik und Containerfähigkeit
Zu den lebenden Pflanzen, die transportiert werden, gehören Bäume (auch Weihnachtsbäume), Sträucher, Rosenbüsche, Baumschulreiser, Setzlinge, Blumenzwiebeln, Stauden und Topfpflanzen. Lebende Pflanzen können lose mit oder ohne Erdballen transportiert werden. Sie sind oft in Bunden, Säcken und Kisten zusammengefasst. Je nach Größe werden sie in Ballentüchern aus Jute oder perforierten Plastikfolien verpackt.
 
Lebende Pflanzen weisen eine hohe biotische Aktivität 1. Ordnung (BA 1) auf. Sie sind Organismen mit völlig erhaltenem, ihnen eigenem Stoffwechsel, deren Lebensfähigkeit während der Transport-, Umschlag- und Lagerprozesse erhalten bleiben muss. Lebende Pflanzen weisen hohe Wassergehalte auf, d. h. mindestens > 30 %, sodass sie der Wassergehaltsstufe 3 (WGS 3) angehören.
 
 
Gutart optimale Reise-
temperatur
in °C
Luftfeuchte
in %
empfohlene Transport-
temperatur
in °C
max. Transport-
dauer
in d
Baumschulgehölze
(Steck- und Setzlinge)
-1,1...4,4 90...95 0,6...4,4 21...180
Chrysanthemen 7,2...15,0 90...95 1,1...2,2 21...42
Gladiolen 2,2 90...95 2,2...10,0 42...56
Nelken 0,0 90...95 1,1...2,2 21...28
Rosen 0,0 90...95 1,1...4,4 4...14
Topfpflanzen -2,8...18,0 90...95 1,1...18,3 14...360

   Tabelle 12: Transportklima für lebende Pflanzen [28]
 
 
Die Transporttemperaturen von lebenden Pflanzen liegen z. T. nahe 0 °C (s. Tab. 12). Die Transporttemperaturen z. B. für Blumenzwiebeln liegen dagegen weit oberhalb der Gefrierpunkttemperatur, da diese leicht der Gefahr von Kaltlagerschäden (chilling) unterliegen können (s. Tab. 13).
 
 
Gutart Temperatur
in °C
Luftfeuchte
in %
Lagerdauer
in m
Afodill 5...9 75  
Dahlien 7...10 75 6...7
Freesien 12...15 75 4...6
Gladiolen 1,6 75 7...8
Hyazinthen 12...16 75 4...6
Iris 9,0    
Krokus 9,0    
Lilien 1,6 75 6...8
Narzissen 12,5...16 75 4...6
Schneeglöckchen 12...13 75 4...6
Tulpen 10...16 75 3...6

   Tabelle 13: Transportklima für Blumenzwiebeln [28]
 
 
Lebende Pflanzen benötigen eine Temperatur-, Feuchte- und Lüftungs-Kondition (LK VII). Ihre Atmungs-/(Respirations)prozesse werden durch die Einhaltung einer "Schlaftemperatur" gezielt gesteuert. Die Sauerstoffversorgung und die Abführung der schädlichen Gase (Kohlendioxid, Ethylen) müssen sichergestellt sein.
 
Kühlcontainer mit Frischluftzufuhr sowie CA-Container sind für den temperaturgeführten Containertransport am geeignetesten.
 
 
Transporthinweise und Schäden
Lebende Pflanzen sind einerseits vor Nässe, Regen-, Kondenswasser, Containerschweiß zu schützen, und beim Beladen der Container sind in Sacktuch eingeschlagene Pflanzen auf Feuchtigkeitsbeschädigungen zu untersuchen, weil sonst Schimmel, Fäulnis und vorzeitiges Austreiben möglich sind. Andererseits neigen lebende Pflanzen leicht zur Austrocknung. Es ist deshalb unbedingt notwendig, die Wurzeln der Pflanzen besonders zu schützen. Die Reisetemperaturen sind artenabhängig und vom Ablader zu benennen. Die rel. Luftfeuchte soll 90-95 % betragen. Die Verwendung von Kühlcontainern kann zur Austrocknung der Ware führen. Daher sollten Kühlcontainer eingesetzt werden, die über die Möglichkeit der Luftbefeuchtung verfügen. Blumenzwiebeln erfordern nur 75 % rel. Luftfeuchte. Lebende Pflanzen sind sehr ethylenempfindlich: Ethylen kann, wie auch Kohlendioxid, vorzeitiges Austreiben bewirken; daher ist das Pflanzgut niemals mit Fruchtladungen in einem Container zusammenzustauen. Der CO2-Gehalt sollte 0,1 Vol.-% nicht überschreiten.
 
Es muss ein Frischluftzusatz gewährleistet sein, um Kohlendioxid- und Ethylenkonzentrationen zu vermeiden. Pflanzen, speziell Stauden und Sträucher mit weichem Spitzenwuchs, wie z. B. Liguster, leiden bei ungenügender Ventilation während der Reise unter Hitze und Schweißwasser. Die Blätter sterben durch Überhitzung ab.
 
Mit lebenden Pflanzen können Pflanzenkrankheiten/-schädlinge in den Container gelangen und andere gleichzeitig oder später transportierte Waren befallen oder in andere Häfen verschleppt werden. Ursprungs- und phytosanitäres Zeugnis des Exportlandes sind erforderlich. Auch Ratten und Mäuse können mit den Pflanzen eingeschleppt werden. Wenn sich bei der Prüfung durch die Pflanzenschutzbehörde im Ankunftsort herausstellt, dass die Ware von bestimmten Schädlingen befallen ist, muss nach dem Entladen eine gründliche Reinigung der Kühlcontainer vorgenommen werden.
 

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