4.2.4.3   Grundstauweisen, Teil 3

Fortsetzung von Kapitel 4.2.4.2
 
 



im Schlag gestaute Rohre bzw. Rohre in Sattellage

 
Werden empfindliche zylindrische Ladungsgüter im Schlag gestaut, werden die Belastungen über zwei Auflagelinien auf die darunter gestauten Kolli übertragen. Die Kolli der Bodenlage liegen nur auf einem Streifen. Werden Stau- oder Kanthölzer als Bodengarnier ausgelegt, sind pro Kollo nur "Auflagestriche" vorhanden, die schädliche Drücke bedingen können. Im Schlag gestaute Versandstücke üben durch Spreiz- bzw. Lagerwinkel große Kräfte auf die jeweils unteren Lagen aus. Nur durch eine exakte Stauweise können diese Kräfte minimiert werden.
 
 


Je tiefer ein Kollo in der Lücke liegt, umso größer werden die Aus-
wirkungen durch die sich gleichfalls vergrößernden Lagerwinkel.

 
Zu bedenken ist, dass ein Kollo bei einem Spreizwinkel von 120 bereits mit der doppelten Gewichtskraft auf die Unterkolli drückt, bei 151 sogar mit der vierfachen Gewichtskraft. Werden derartige Kolli von oben selbst stark belastet, geben sie nach unten extreme Kräfte ab. Bei geschweißten Rohren sollten die Schweißstellen nicht an den Berührungslinien der "Schläge" liegen. Passen Ladegüter nicht genau in die Transportmittel, kann es bei unsachgemäßer Stauung zu Lücken zwischen den Gütern kommen, die große Spreizwinkel und Kräfte bewirken. Sind Lücken nicht vermeidbar, müssen diese an den Außenseiten platziert und entsprechend ausgeklotzt werden.
 
Würden zylindrische Güter mit Staulücke verladen und im Schlag gestaut, könnte ein tief im Sattel liegendes Ladegut große seitliche Kräfte auf die Rungen oder andere Ladeflächenbegrenzungen ausüben. Ladungsschäden und/oder Transportmittelschäden wären die Folge.
 
 


Druck auf andere Ladung und Transport-
mittelbauteile durch Lagerwinkel

 
Über den Lagerwinkel übt das mittlere Rohr seitliche Kräfte aus (rot), die größer als die eigene Gewichtskraft sind (grün).
 
Bei unempfindlichen Ladungsgütern und belastbaren Transportmittelwänden können die durch Spreizwinkel erzeugten Kräfte zur Ladungssicherung eingesetzt werden. Die bekannteste Variante ist das "Locking-Coil". Das Verfahren kann aber bei allen möglichen rollenförmigen bzw. zylindrischen Ladegütern Verwendung finden. Ein Hochdrücken von Versandstücken an anderer Stelle muss jedoch verhindert werden. Dann stellt dieses Verfahren eine gute Sicherungsmethode dar. Bei Bedarf sind zusätzliche Sicherungen anzubringen.
 
 
 
  Prinzip des Locking-Coil

 
Werden die von einem Ladungsstück ausgehenden Druckkräfte zu groß, können sie andere Güter oder Transportmittelbauteile beschädigen. Deshalb sollten die Lücken nicht größer als der halbe Durchmesser der Ladungsteile sein; bei gleichen Durchmessern sackt das im Sattel liegende Teil dann circa um ein Drittel seines Durchmessers in den Schlag.  
 
 
  maximale Eintauchtiefe bei im Schlag
oder Sattel gestauten Gütern

 
Auch andere Güter können im Schlag gestaut werden, so u. a. beispielsweise Sackgut und weniger empfindliche Pappschachteln. Bei dieser Stauweise liegen die Nähte oder Kanten in allen Lagen parallel. Die Packstücke senkrechter Tiers haben bei dieser Stauweise zwar untereinander Verbindung, nicht aber zu denen benachbarter Tiers.
 
 
 
  längs im Schlag gestaute Säcke

 
 
  quer im Schlag gestaute Säcke

 
 
  im Schlag gestaute Schachteln

 
Beim Stauen im Verband werden Packstücke abwechselnd längs und quer gestaut. Dadurch sind sie miteinander gut verbunden:
 
 
 
  Staumuster für Säcke im Verband

 
Durch Stauen im Kreuzverband/Kreuzverbund wird eine vollständige Verbindung zu benachbarten Tiers erreicht: Versandstücke einer Lage reichen jeweils zur Hälfte in die benachbarte. Echte Kreuzverbände erkennt man daran, dass weder aus Längs- noch aus Quersicht durchgehende Linien erkennbar sind. Bei Versandstücken unterschiedlicher Abmessungen ist der Stau so anzulegen, dass möglichst flache, lange und feste Ladungsgüter in der äußersten Tier geladen werden; dabei muss die lange Seite in den Stapel zeigen.
 
Werden Güter so geladen, dass außen frei stehende Tiers verbleiben, sollten bei Sackgut die Nähte oder Verschlüsse in die Stapel zeigen, da diese Schwachstellen der Verpackung sind. Bei Nichtbeachtung kann durch "Ausbluten" von Säcken die Standsicherheit des Stapels gefährdet werden.
 
Bei den folgenden Skizzen handelt es sich um eine Stauung im Teilverband, da jeweils durchgehende Linien erkennbar sind. Nur die einzelnen "Päckchen" haben untereinander eine Verbindung. Durch das Einstauen von Ankern kann eine Verbindung zu benachbarten Päckchen hergestellt werden.
 
 
 
  Staumuster für Säcke im Teilverband

 
  Staumuster für Säcke
im Teilverband

 
  Staumuster für Säcke
im Teilverband

 
  Staumuster für Säcke im Verband auf einer Palette mit Schrumpfung

 
Der Kaminstau eignet sich sehr gut zur Bildung vorgestroppter Ladeeinheiten (engl. preslung cargo). Für palettiertes Sackgut eignet er sich bei bestimmten Sack- oder Tütenabmessungen. Dabei werden die Säcke Lage für Lage überlappend um einen Hohlraum platziert. Untereinander haben die Säcke dadurch Verbindung. Es entsteht eine quadratische Basisfläche, die sich bei entsprechenden Abmessungen gut für die Containerbeladung eignet.
 
 
 
  Frontansicht 1., 3., 5., 7. ... Lage 2, 4., 6., 8. ... Lage
  Prinzip des Kaminstaus

 
Übereinander im Schlag oder übereinander versetzt können nahezu alle Güter gepackt werden, wenn ausreichendes Zwischengarnier gelegt wird, durch das die Lasten gleichmäßig verteilt werden und somit Punktbelastungen verhindert werden.

Soldatenstau oder in-Soldatenaufstellung-packen bzw. Stauung-in-Reih-und-Glied wird die folgende Anordnung von Gütern genannt.
 
 
 
  Fässer im Soldatenstau in einem 20'-Boxcontainer

 
Der benutzte 20'-Container hat eine Innenlänge von 5.895 mm und eine Innenbreite von 2.350 mm. Die im Soldatenstau gepackten Fässer haben einen Außendurchmesser von 585 mm. In den Container gehen bei dieser Stauweise exakt 40 Fässer.
 
In den gleichen Container gehen unter Anwendung des Soldatenstaus insgesamt 160 Hobbocks mit einem Außendurchmesser von 290 mm:
 
 
 
  Hobbocks im Soldatenstau in einem 20'-Boxcontainer

 
Versetztes Stauen kann Stauverluste minimieren, aber nicht immer. So gehen bei versetzter Stauweise der Hobbocks von 290 mm Außendurchmesser insgesamt 172 Stück in den Container:
 
 
 
  versetzt gestaute Hobbocks in einem 20'-Boxcontainer

 
In den gleichen Container gehen bei versetzter Stauweise aber nur 39 Fässer mit einem Außendurchmesser von 585 mm - gegenüber 40 bei Anwendung der "Soldatenaufstellung":  
 
 
  versetzte Stauweise von Fässern in einem 20'-Container

 
Stehend im Schlag stauen wäre gleichfalls eine mögliche Bezeichnung für versetztes Stauen, ist zurzeit als Fachausdruck jedoch (noch) nicht in Gebrauch. Fässer (oder andere Ladungen) in den Schlag stellen, verdeutlicht jedoch gut, was gemeint ist.
 
Ob Stauraum eingespart werden kann, hängt von den Abmessungen der Waren und denen der Transportmittel ab. Bei großen Ladeflächen und/oder kleineren Ladungsdurchmessern können mehr Güter untergebracht werden. Bei kleineren Räumen und großen Ladungsdurchmessern ist das nur bedingt der Fall.
 
Durch wechselweises Hochsetzen von Ladungen können Schäden vermieden, Stauräume besser genutzt oder Ladungssicherungsmaterialien eingespart werden.
 
 
  Falsch beladene Paletten erschweren die Ladungssicherung.

 
  Wechselweises Hochsetzen verringert den Ladungssicherungsaufwand.

 
Bauartbedingt ergeben sich bei Fässern, Hobbocks und ähnlichen Versandstücken Probleme. Sickenfässer schieben sich infolge von Transportbelastungen an den Sicken hoch. Bei Sprengringdeckelfässern, deren Verschlüsse den Fassmantel überragen, kommt es zum Aufhängen von Fässern an den Verschlüssen. Ungewolltes Öffnen der Fässer oder Beschädigungen sind die Folge. Außerdem können so entstehende Lücken weitere Schäden begünstigen. Die Verschlüsse von Fibertrommeln, die Griffe oder Henkel von Eimern, Hobbocks, Kanistern, Kannen und dergleichen können infolge hoher Punktbelastung zur Beschädigung daneben oder darüber geladener Waren führen. Das wechselweise Hochsetzen einzelner Ladungsteile oder von Gruppen kann das Risiko von Schäden verringern. Nähere Einzelheiten sind unter "Fassladungen und Mischladungen" zu finden.
 
Manuelles Verklappen von Doppel-T-Trägern und U-Profilen wird selten praktiziert. "Verklappte" Ladungen werden jedoch oft als Bündel angeliefert und dann unter Verwendung normaler Stau- oder Kantholzanker übereinander gestaut.
 
 
 

 
Geschachteltes Stauen verringert Stauverluste oder kann zur Schaffung ebener Ladungsoberflächen zum Befahren mit Gabelstaplern dienen. Einige Varianten haben eigene Bezeichnungen. Manuelles Stauen vor Ort wird auch bei dieser Methode immer weniger, die fabrikmäßig vorbereitete Stauung in Bündeln setzt sich mehr und mehr durch.
 
 
 
  geschachtelte Doppel-T-Träger

 
Face-stow ist der englische Fachausdruck für die Verladung von Coils, Ringen, Rollen usw. mit liegender Achse parallel zur Lager- oder Transportmittellängsachse:
 
 
 
  Face-Stow von Coils in einem Container

 
Beim Flechten werden ringförmige Ladungsgüter, wie Autoreifen, Drahtringe mit kurzer Wickelachse und ähnliche Ladungsgüter, in den Kern anderer ringförmiger Ladungen gesetzt. Durch den Einsatz von Spezialfahrzeugen bzw. die oftmals übliche Beförderung kleinerer Partien in Containern hat das Flechten an Bedeutung verloren. Bei Komplettladungen oder größeren Partien wird die Methode jedoch nach wie vor angewandt.
 
 
 
  Flechten von Autoreifen in einem 20'-Container

 

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